Schach

SV Muldental Wilkau-Haßlau e.V.

In der arabischen Welt erzählt man sich folgende Geschichte über die Herkunft des königlichen Spiels. Zwischen dem dritten und vierten Jahrhundert nach Christus wurde Indien von dem grausamen Tyrannen Ahihram berherrscht, der sein Land in Not und Elend stürzte. Der Legende nach schuf der weise Gelehrte Sissa ein Spiel für seinen König, das ihn auf seine Fehler aufmerksam machen sollte, ohne seinen Zorn zu entfachen. Das Spiel hieß Chaturanga und seine wichtigste Figur, der König, war ohne Hilfe der anderen Figuren und Bauern machtlos. Sissas Plan hatte Erfolg. Sein Herrscher hatte Freude an dem Spiel, wurde milder und erkannte die darin liegenden Lebensweisheiten. Als Dank gewährte er ihm einen Wunsch. Sissa gab sich bescheiden und forderte von seinem Herrscher, ihm als Lohn die 64 Felder des Spielbretts mit Weizenkörnern zu füllen. Auf das erste Feld sollte er ein Korn legen, auf das zweite zwei Körner und bei jedem weiteren Feld doppelt so viele wie auf das vorherige. Der Herrscher wunderte sich und gewährte ihm den Wunsch mit einem Lachen. Doch auch nach Tagen ununterbrochener Arbeit konnten ihm seine Rechenmeister nicht die Menge der benötigten Weizenkörner berechnen und der Vorsteher der Kammer meldete schon bei einem Zwischenstand, dass er diese Menge Getreide im ganzen Reich nichz aufbringen könne. Diese Schwierigkeit, das Wachstum einer Exponentialfunktion richtig einzuschätzen, kommt der Komplexität des Schachspiels gleich. So die Legende. Die Zahl der möglichen Stellungen wird auf 2,28 x 10 hoch 46 geschätzt. Die Zahl der Weizenkörner hätte zusammen übrigens eine Menge von rund 18,45 Trillionen, also ca. 922 Milliarden Tonnen Getreide ergeben. Das entspräche der 1.500-fachen weltweiten Weizenernte des Jahres 2004 oder verladen in Transportern von 7,6 Metern Länge mit einer Nutzlast von knapp 9 Tonnen 104 Milliarden LKW´s. Stoßstange an Stoßstange würden diese  20.000 mal die Erde umrunden oder 5,3 mal die Entfernung zwischen Erde und Sonne überbrücken. König Shihram hätte der Bitte des Gelehrten Sissa also nie im Leben, noch darüber hinaus nachkommen können.

Das Urschach Chaturanga war zunächst noch ein Spiel für vier Personen. Durch seine Verbreitung über Persien und dessen Eroberung durch die  Araber im 7. Jahrhundert veränderte sich das Spiel, bekam seinen heutigen Namen, abgeleitet vom persischen Schah für König, und war spätestens im 13. Jahrhundert fest in Europa etabliert. Im 18. Jahrhundert wurde Schah bürgerlich. Nun spielte man das königliche Spiel in Schachcafés, organisierte Turniere und gründete Vereine. Der erste Schachverein entstand 1809 in Zürich. Das erste große Schachturnier fand anlässlich der Weltausstellung 1851 in London statt und der erste offizielle Weltmeister war der in Prag geborene Wilhelm Steinitz. Das Match begann 1886 in New York, wurde dann in St. Louis weiter ausgetragen und schließlich in New Orleans entschieden. Steinitz verteidigte diesen Titel dreimal. Derzeitiger Schachweltmeister ist der 25jährige Norweger Magnus Carlsen.

Weltweit spielen heute 605 Millionen Menschen Schach. Die psychologischen Komponenten des Spiels, welche Auswirkungen es auf die Lernfähigkeit und Moral der Sieger hat, wird nach wie vor untersucht und diskutiert. Eine spürbare psychologische Wirkung hat der Siegeszug des Computers in dieser Sportart hinterlassen, die eigentlich mit Fantasie und Intelligenz assoziiert wird. Schachcomputer sind dem Menschen längst überlegen und können mit wachsender Rechenleistung immer seltener besiegt werden.