Juli 2018: Trennung zwischen innen und außen

Kalenderedition 2018

Weite Glasflächen, großzügige Fensteröffnungen, Licht und Transparenz – das sind Merkmale, wenn nicht Markenzeichen des zeitgenössischen Bauens, spätestens seit den Zeiten der Bauhaus-Meister.

Dass heute in den meisten Wohn- und Verwaltungsgebäuden im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr „gemauert“ wird, dass sich außer bei offensichtlichen Anforderungen an die Sicherheit niemand mehr in Gebäuden verschanzt, hat etwas mit dem gesellschaftlichen Leitbild der Offenheit zu tun.

Aber es liegt auch an ganz handfesten Voraussetzungen: Gebäude müssen heute mit wenigen Ausnahmen nicht mehr wehrhaft sein, effiziente Dämmung und effiziente Klimasysteme machen es nicht mehr nötig, Hitze oder Kälte fernzuhalten, indem man Gebäudeöffnungen möglichst klein und Wände möglichst dick hält. Und tragende Strukturen können heute ungleich filigraner ausgeführt werden als zu den Zeiten, da man in Wehrkirchen oder Burganlagen behauene Steine aufeinanderschichtete oder Wohnhäuser energetisch optimierte, indem man extradicke Wände baute.

Ganz sicher hat das moderne Bauen mit Luft und Licht die Idee von Gebäuden verändert, aber auch den Menschen selbst geprägt, seinem Bedürfnis nach Rückzug und Intimität neue Koordinaten gegeben.

Dennoch: Die Balance aus Schutz und Offenheit spielt noch immer eine wichtige Rolle, weil Aufenthaltsqualität und Ruhebedürfnis nach wie vor eine Trennung zwischen innen und außen erfordern und weil – man denke an Terrassentüren von Eigenheimen – auch Schutz vor Einbrüchen ein wichtiges Kriterium ist.

Doch die Möglichkeiten und Materialien, aus denen Architekt, Fensterbauer und Bautischler schöpfen können, sind heute vielgestaltiger denn je. Zumal, wenn man bedenkt, dass das Handwerk längst digital plant, anfertigt und einbaut – was ein Bauen ermöglicht, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar war.

Bilder von Silvio Bronst; Texterstellung NETZWERKZENTRUM AUGUST STARK