September 2018: Arbeit für die Ewigkeit

Kalenderedition 2018

Oft gleicht es einem Puzzle, wenn ein historisches Gebäude restauriert wird. Gehört dieses Simsteil wirklich an diese Stelle? Sah die Tür vor dreihundert Jahren wirklich so aus? Bisweilen wird das Restaurieren sogar philosophisch und kulturtheoretisch: Stellt man ein Gebäude so her, dass es dem angenommenen Originalzustand entspricht? Oder macht man die Spuren der Zeit und den Restauratorischen Eingriff selbst sichtbar?

Der Steinmetz hat per Berufsdefinition häufig mit alten und sehr alten Steinen zu tun. Auf die theoretischen Fragen hat er eine praktische Antwort: Wenn er ein Steinmetz-Zeichen, seine ganz persönliche Unterschrift, in den Stein schlägt, hinterlässt er gleichzeitig eine Signatur für die Zeit.

Stein ist das langlebigste Baumaterial und in der Wahl des Steins drückt sich der Anspruch eines Bauherrn aus, die Wehrhaftigkeit eines Gebäudes oder für welche Lebensdauer ein Gebäude konzipiert ist – man denke nur an die Pyramiden von Gizeh oder die Trajanssäule in Rom.

Wenn Vergangenes wiederhergestellt wird – ganz gleich ob am Freiberger Dom oder an der Dresdner Frauenkirche –, dann ist es meist der Steinmetz, der dem Wiederhergestellten Aura und Charakter zurückgibt, der mit seiner Fertigkeit darüber entscheidet, ob dem Betrachter das Wiederhergestellte authentisch vorkommt oder wie ein künstliches Disneyland.

Wer heute auf der grünen Wiese baut, kann auf das Gewerk des Steinmetzes verzichten. Eigentümer historischer Bauten wissen sein Können meist zu schätzen. Am Ende aber kommt, wenn man zur Arbeit des Steinmetzes auch die Herstellung von Grabsteinen hinzuzählt, kein Mensch an diesem Gewerk vorbei.

Die Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer, so heißt der Beruf heute, absolvieren im Kammerbezirk Chemnitz aktuell 25 Lehrlinge. Trotz zahlreicher Maschinen, die dem Steinmetz die schwere Arbeit inzwischen erleichtern – der Beruf bleibt Handwerk im Wortsinn.

Im erwähnten Steinmetz-Zeichen, das auf manchem alten Werkstein prangt, zeigt sich das Selbstbewusstsein des Berufsstandes, sein Wissen, von allen Handwerken am ehesten für die Ewigkeit zu arbeiten.

Bilder von Silvio Bronst; Texterstellung NETZWERKZENTRUM AUGUST STARK