November 2018: Ein schmuckvolles Mittel, um Höhen zu überwinden

Kalenderedition 2018

Einläufige, zweiläufige, dreiläufige Treppen, Pyramidentreppen, Kragstufentreppen, Harfentreppen: Wie so oft im Handwerk verfügt auch der Treppenbauer über eine ganz eigene, fast schon poetische Fachsprache.

Dazu passt eigentlich nicht, dass der Treppenbauer heutzutage überwiegend im Verborgenen arbeitet. Die meisten seiner Bauwerke sieht man von außen schlichtweg nicht, weil sie im Inneren von Häusern verbaut sind. Eine Ausnahme machen die überwiegend schmucklosen Feuertreppen. Ins Recht aber setzen den Treppenbauer erst monumentale Freitreppen, wie man sie vor Schlössern, Herrenhäusern und in der Region Chemnitz vor zahlreichen historischen Fabrikantenvillen, aber auch auf öffentlichen Plätzen finden kann.

Erweitert man den Blick auf öffentlich zugängliche Gebäude wie Opernhäuser, Hochschulen und architektonisch anspruchsvolle Verwaltungsbauten, relativiert sich die Verborgenheit des Gewerks ein wenig.

Oft sind Treppen sehr viel mehr als nur eine Vorrichtung, um Höhenunterschiede zu überwinden. Dass Treppen als schmuckvolles Mittel des künstlerischen Ausdrucks angelegt werden, haben Archäologen schon für Bauten nachgewiesen, die aus der Epoche von 10.000 v. u. Z. stammen. Und um eine gewendelte, schmuckvolle Außentreppe wie die am Torgauer Schloss Hartenfels zu bauen, muss der ausführende Meister nicht nur über Fingerfertigkeit, sondern auch über profunde mathematische Kenntnisse verfügen.

Einen eigenen Ausbildungsberuf kennt das Metier des Treppenbaus nicht. Abhängig vom Material sind heute Metallbauer, Tischler, Steinmetze, Beton- und Stahlbauer und sogar Glaser mit der Errichtung von Treppen befasst. Bevor sich jemand über so viel Kleinteiligkeit beklagt: Selten war es möglich, Treppen aus mehr als nur aus Holz oder Stein zu fertigen. In der Handwerkskammer Chemnitz etwa laufen Besucher und Mitarbeiter über Glas.

Bilder von Silvio Bronst; Texterstellung NETZWERKZENTRUM AUGUST STARK