Eiskunstlauf

Chemnitzer Eislauf-Club e.V.

Die ersten Funde von Schlittschuhen, die aus Knochen gefertigt wurden, lassen darauf schließen, dass sich bereits die Menschen der Bronze- und Steinzeit mit Kufen über das Eis bewegten. Historisch verbürgt ist das Eislaufen ab Mitte des 12. Jahrhunderts in Dänemark. Im 18. Jahrhundert bekamen die Kufen erstmals Kurven, was Drehungen und Figuren auf dem Eis möglich machte. Der Einkunstlauf war geboren. 1742 wurde im schottischen Edinburgh der erste Eislaufverein der Welt gegründet. Aufgrund der wachsenden Popularität des Eiskunstlaufs in Großbritannien baute man bereits 1876 in London die erste Kunsteisbahn und machte den Sport damit geografisch unabhängig von den Regionen, in denen Eislauf bis dahin vor allem auf zugefrorenen Teichen und Flüssen möglich war. Heute wird der Sport selbst an der Elfenbeinküste praktiziert.

Die erste große Hochzeit erlebte der Eiskunstlauf um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. In jener Zeit entstanden auch viele der bis heute bekannten Sprünge, benannt nach ihren Erfindern, wie den großen Eislauflegenden Werner Rittberger, Axel Paulsen und Ulrich Salchow. Erster Weltmeister wurde der Deutsche Gilbert Fuchs 1896 in St. Petersburg. Die erste Frau bei einer Eiskunstlaufweltmeisterschaft war 1902 Florence Madeline Syers, die zusammen mit dem britischen Verband herausgefunden hatte, dass an keiner Stelle der Wettkampfordnung explizit festgelegt war, dass Frauen nicht teilnehmen könnten. Sie belegte souverän den 2. Platz, obwohl sie womöglich sogar den Sieg verdient gehabt hätte. Dieser Ansicht waren zumindest das Publikum, einige Experten und der schwedische Gewinner Ulrich Salchow. Empört über die Ungerechtigkeit der Jury-Entscheidung überreichte er "Madge" Syers demonstrativ seine Trophäe. Ein Jahr später trat sie erneut gegen eine ausschließlich männliche Konkurrenz an und wurde erste britische Meisterin im Herreneiskunstlauf. Die Internationale Eislaufunion reagierte, um sich einen weiteren Fauxpas zu ersparen, und änderte die Regeln. Ab 1906 fanden erste eigenständige Damenwettbewerbe statt und zwei Jahre später wurde Syers in London die erste Olympiasiegerin im Dameneiskunstlauf.

Seit der Gründung des SG Chemnitz Nord im Jahre 1945 zeichnet auch unsere Region erfolgreich ihre Spuren auf das Eis. Die Sportler, die hier trainieren, zählen seit Jahrzehnten zur Weltspitze. Der in den SC Karl-Marx-Stadt umbenannte Sportclub war mit fünf olympischen Medaillen, 11 Weltmeister- und 19 Europameistertiteln der erfolgreichste Eiskunstlaufverein der DDR. Große Erfolge gebühren der Trainerin Jutta Müller und ihren Schützlingen, angefangen bei ihrer Tochter Gabriele Seyfert in den 60er Jahren bis hin zur zweifachen Olympiasiegerin Katharina Witt, die außerdem vier Weltmeistertitel und zwei Europameisterschaften gewann. Doch wir müssen nicht in der Vergangenheit schwelgen, denn auch nach der Wende finden wir viele Erfolgsgeschichten in der Region. Nach zahlreichen Umbenennungen wurde 1998 der Chemnitzer Eislauf-Club e.V. gegründet, der mit Eiskunstläufern wie Aljona Savchenko und Robin Szolkowy viele Erfolge feiern konnte. Zusammen holten sie im Paarlauf sogar ganze fünf Weltmeistertitel, gewannen vier Europameisterschaften und bei den Olympischen Spielen zweimal Bronze. Eines der vielversprechendsten Nachwuchstalente ist die heute 16jährige Chemnitzerin Lutricia Bock.