Tischtennis

BSC Rapid Chemnitz

Natürlich kann ein Sport, der als Alternative zum Tennis bei Regenwetter entstand, seine Ursprünge nur in England haben. Dort wich die feine Gesellschaft gern auf die herrschaftlichen Räume aus, sobald sich der Himmel trübte. Tische wurden zu Tennisfeldern, Schnüre zu Netzen, Bücher und Bratpfannen zu Schlägern. So entwickelte sich aus dem Rasen-Tennis, einer spielerischen Abwandlung des Tennis, das Raum-Tennis oder Ping Pong, Whiff Waff, Gossima bzw. Flim Flam.

Viele Hersteller verkauften die Spielsets in den Anfangsjahren unter ihren eigenen Markennamen. Mit dem Eintrag zur Handelsmarke setzte sich 1901 zunächst der Name Ping Pong durch, durfte daraufhin aber nicht mehr bei Wettkämpfen oder im Handel verwendet werden. Schließlich etablierte sich der freie Begriff Tischtennis, unter dem die ganze Welt den Sport heute liebt. Nur in China, wo die Durchsetzung von Markenrechten schon immer problematisch war, heißt Tischtennis weiterhin Ping Pong. Über Japan, das in den 50er und 60er Jahren führend im Tischtennis war und zahlreiche neue Techniken entwickelte, gelangte der 40 mm-Ball ins Reich der Mitte und avancierte dort zum Volkssport Nummer 1. Fortan sollten die Chinesen die internationalen Wettkämpfe im Tischtennis bestimmen.

Auch politisch half der Sport, die tiefen Gräben der Nachkriegszeit zwischen den USA und China zu überwinden. Bei der Weltmeisterschaft 1971 im japanischen Nagoya freundeten sich die Spieler beider Länder an und das amerikanische Team wurde nach Peking eingeladen. Diesem Besuch folgten weitere Treffen zwischen hochrangigen Politikern beider Länder, woraufhin Spannungen abgebaut und die Beziehungen verbessert werden konnten. Die Ereignisse von damals sind noch heute unter dem Begriff Ping-Pong-Diplomatie bekannt. Nur in Deutschland sorgten Differenzen über Austragungsorte und die Anerkennung zweier deutscher Mannschaften bei internationalen Wettbewerben für Verstimmungen und führten so weit, dass die DDR 1972 zum letzten Mal an einem internationalen Wettbewerb im Tischtennis teilnahm. Heute gilt die Tischtennis-Bundesliga als die stärkste Liga der Welt und die Deutschen können inzwischen wieder viele Erfolge vorweisen. Bei der Tischtennisweltmeisterschaft 2014 in Tokio holte die deutsche Herrenmannschaft Silber. Auch hierzulande ist Tischtennis Volkssport. Dem deutschen Tischtennis-Bund gehören fast 10.000 Vereine mit rund 670.000 Mitgliedern an, darunter findet sich beispielsweise auch der BSC Rapid Chemnitz mit seiner über hundertjährigen Vereinsgeschichte.